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Inge Meysel (1910 - 2004) war von Anfang der 1960er Jahre eine der beliebtesten deutschen Schauspielerinnen. Sie galt als die "Mutter der Nation" und spielte mehr als 100 Rollen in Film und Fernsehen.

Leben

Ingeborg Charlotte Meysel (* 30. Mai 1910 in Rixdorf, heute Berlin-Neukölln) war die Tochter des deutsch-jüdischen mittelständischen Unternehmers Julius Meysel und seiner dänischen Frau Margarete Hansen. Die Eltern waren zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht verheiratet, daher der Nachname mütterlicherseits. Im Alter von 17 Jahren verließ sie die Schule vorzeitig und begann 1930 ihre Theaterlaufbahn in Zwickau, Berlin und Leipzig. Im Alter von drei Jahren stand sie erstmals als Engel in der Oper Hänsel und Gretel auf der Bühne. Ihr Debüt gab sie 1930 in Zwickau bei der Premiere von Etienne und Luise von Ernst Penzoldt.

Zwischen 1933 und 1945 war es ihr verboten, als Halbjüdin aufzutreten. Ein religiöses Bekenntnis der Schauspielerin ist jedoch nicht dokumentiert. Sie ging in die freie Stadt Danzig und arbeitete dort als Telefonistin und technische Zeichnerin. Ihr Vater wurde enteignet und überlebte bis 1945 in einem Luftschutzkeller, nachdem er das Glück hatte, der Deportation zu entgehen. Reinhard Heydrich persönlich ordnete seine Freilassung als Kriegsopfer des Ersten Weltkriegs an.

Karriere

1945 ging der damals 35-jährige Meysel zu Willy Maertens ans Thalia-Theater in Hamburg. Die Rolle, die ihr 1959 den Spitznamen "Mutter der Nation" einbrachte, war ursprünglich für Grethe Weiser in dem Berliner Volksstück Fenster zum Flur gedacht, in dem die Pförtnersfrau Anni Wiesner die zentrale Figur war. Ab den 1960er Jahren stand das Fernsehen im Mittelpunkt ihrer Karriere.

Bekannt wurde sie vor allem durch ihre Rolle der Käthe Scholz in der Fernsehserie "Die Unverbesserlichen" (1965 bis 1971). Ihre Popularität wuchs auch durch die Fernsehserie "Gertrud Stranitzki" (1965). In dieser von Curth Flatow geschriebenen Unterhaltungsserie spielte sie eine Schneiderin, die sich nicht nur um ihren Mann, sondern auch um die Angestellten und Kunden kümmerte. Im Jahr 2004 spielte sie die Hauptrolle in einem neuen Film der Reihe "Polizeiruf 110".

In den 1970er Jahren spielte sie unentwegt Theater und hatte 1974 mit der Titelrolle in Rolf Hochhuths Bühnenstück "Die Hebamme" unter der Regie von Wolfgang Spier am Theater am Kurfürstendamm Berlin erneut einen Erfolg. Ein Theatererfolg wurde 1980 am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg ihre Darstellung einer bösen, intriganten und harten Frau in Maxim Gorkis Drama "Wassa Schelesnowa" unter der Regie von Karl Paryla. Mit dem Stück ging sie auch auf Theatertournee und es wurde fürs Fernsehen aufgezeichnet. Ihre letzte Theaterrolle in "Teures Glück" spielte sie zwischen 1985 und 1996 über 800 mal auf Tournee und Gastspielen.

Politisches

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte Inge Meysel mit einer Rede gegen die Todesstrafe auf einer Kundgebung der Berliner Jungdemokraten. Ende der 1920er Jahre wechselte sie zu den Jungsozialisten. Sie war auch eine begeisterte Naturistin.

Im Jahr 1972 unterstützte sie die Kandidatur von Willy Brandt und 1978 war sie zusammen mit 8 anderen Frauen eine der Klägerinnen im so genannten Sexismus-Prozess gegen den Stern. 1981 lehnte sie das Bundesverdienstkreuz ab, weil es keinen Orden wert sei, dass jemand „sein Leben anständig gelebt hat“. Sie unterstützte den Kampf gegen AIDS durch Auftritte bei Benefizveranstaltungen. Im Januar 1987 sprach sie in einem Interview über ihre lesbischen Erfahrungen und ihre Liebesbeziehung zu einer Frau.

Privates

Inge Meysel war zweimal verheiratet: sie heiratete 1945 ihren langjährigen Lebensgefährten, den Hamburger Schauspieler Helmut Rudolph (1900 - 1971), in zweiter Ehe ab (1956) war sie mit dem Wiener Regisseur John Olden verheiratet. Beide Ehen blieben kinderlos. Sie hat jedoch eine Adoptivtochter.

Inge Meysel war seit 2003 an Altersdemenz erkrankt, spielte aber im Frühjahr 2003 in einer Folge des "Polizeiruf 110" die Rolle der resoluten Großmutter Kampnagel mit 92 Jahren. Im April 2004 erlitt sie einen komplizierten Bruch des rechten Oberschenkels, der durch eine Notoperation stabilisiert wurde.
Inge Meysel starb am 10. Juli 2004 im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus in Bullenhausen (Niedersachsen) an Herzstillstand. Ihre Urne wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg neben ihrem zweiten Ehemann John Olden (1918–1965) beigesetzt.

Filmografie

Auszeichnungen

Literatur

 

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